Leben im Internat


Nach dem zweiten Weltkrieg war ein Wort wie „Internat“ negativ besetzt, so wählten die Schwestern 1946, als sie diese Schule gründeten, das Wort „Heimschule“. Es drückt aus, dass ein junger Mensch sich hier zu Hause fühlen soll, dass er Heimat findet zusammen mit anderen Jugendlichen in einer lebendigen Gemeinschaft. In einem geregelten Tageslauf zusammen leben, aufeinander angewiesen sein, miteinander lernen und arbeiten, Freizeit genießen und kreative Ideen verwirklichen, formt und erzieht oft mehr, als es Erzieherinnen allein können. Durch die Zimmergemeinschaft oder eine Interessengruppe finden sich Menschen zusammen und finden Freundinnen, die auch Beispiele geben oder Vorbilder sein können. Oft bleiben solche Bindungen ein Leben lang, wie wir es von den Ehemaligen, den „Urwälderinnen“ wissen. Außer diesen „schicksalhaften“ Gruppierungen gibt es auch das freiwillige Tutorensystem, in dem Ältere sich um Jüngere kümmern, ihre Hausaufgaben beobachten und manchmal auch Lernaufsicht im Silentium übernehmen.



Zu den Verpflichtungen gehören auch die Gottesdienste am Sonntag und an Festtagen, hier sind die Ministrantinnen und die Gruppen, die die inhaltliche und musikalische Gestaltung übernehmen, besonders aktiv. Auch andere religiöse Zusammenkünfte, wie das Hausgebet, gehören zum Internatsleben, besonders die aktive Gestaltung der religiösen Feste: St. Martin mit dem Laternenumzug, St. Nikolaus, die adventliche „Sternchenzeit“, eine Besinnung in der Fastenzeit, Fronleichnam und andere.



Der rege Kontakt mit den Eltern ist uns ein großes Anliegen. Wir erwarten von den Eltern, dass sie Interesse an der Entwicklung ihrer Tochter zeigen, dass sie unterstützen in unserem Bemühen um die religiöse und ethische Erziehung und dass sie sich regelmäßig über die schulische Situation ihrer Tochter informieren.

Ein kreativer Umgang mit „Freizeit“ ist uns ein wichtiges Erziehungsziel.
Die Freizeitangebote des Internates sind vielfältig: Es sind Betätigungen im Sport, in der Musik, im sozialen Einsatz, im Theaterspielen möglich. Wir erwarten, dass sich die Mädchen aktiv beteiligen und ihre eigenen Begabungen pflegen, auch, dass sie sich im Leben der Internatsgemeinschaft kreativ einbringen. So ist je eine Arbeitsgemeinschaft aus diesen Bereichen Pflicht, zusätzlich zum schulischen Angebot. Unser Ziel ist es, den ganzen Menschen zu fördern, so weit es möglich ist. Auch darin erwarten wir die Unterstützung der Eltern, damit die Internatszeit ihrer Tochter eine wirklich fruchtbare Zeit wird.



Ein Internat ist kein Ort, an dem Erziehung automatisch gelingt und schulischer Erfolg sich von selbst einstellt. Erziehung heißt, den jungen Menschen begleiten, ihm Möglichkeiten aufzeigen, aber auch Grenzen setzen und diese verteidigen. Wichtig ist es, Beziehungen zu schaffen zwischen den Gleichaltrigen und zu den Verantwortlichen, die Mädchen so zu fördern und zu fordern, dass sie in allen Bereichen ihre Zeit sinnvoll nutzen.
Das Internatsleben kann durch die intensive Verknüpfung von Lebens- und Arbeitsgemeinschaft den Einzelnen helfen, das Zusammenleben mit anderen zu lernen, Verantwortung in einer Gruppe zu übernehmen und Freundschaften fürs Leben zu schließen.